20 Juli 2023

Hallo Velo! Votum für eine friedliche Koexistenz

Frau mit blonden Haaren sitzt im Wald auf einem Stein mit ihrem Hund im Arm

Teilen sich Velos und Menschen mit (oder ohne) Hund den Wanderweg, kann es schon mal rote Köpfe geben. Quartierplus hat bei Nelly Botta nachgefragt und kommt zu einem einfachen Schluss: Alle wünschen sich mehr Rücksichtnahme, Verständnis und Freundlichkeit. Und wir liefern Ihnen Tipps für eine friedliche Begegnung in der Natur. Wie erleben Sie die Spaziergänge im Wald und in den Bergen? Sind Sie mit dem Velo oder mit einem Hund unterwegs? Diskutieren Sie mit und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns in einer Gruppe.

Bern könnte nach Graubünden der zweite Kanton sein, in welchem Wandern und Mountainbiken auf Wanderwegen gleichgestellt ist. Im Grossen Rat wird das Geschäft diesen Sommer in zweiter Lesung behandelt. Was für Mountainbikende eine gute Nachricht ist, sorgt bei vielen Spaziergängern für Bauchweh. Eine kleine nicht-repräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis zeigt, dass es einen Ausweg aus dem Dilemma gibt.

Das wünscht sich der Mountainbikende

«Dass die Wanderer rechtzeitig zur Seite springen, Hunde anleinen oder am liebsten woanders wandern».

Mein Bekannter lacht bei dieser Aussage, dennoch dürfte ein Körnchen Wahrheit mit dabei sein. Mit Schuss Velofahren ist schön und bremsen ist je nach Topographie mühsam bis unmöglich. Und dass sich niemand bei einer unschönen Begegnung mit einem Hund verletzen will, ist klar.

Das wünscht sich die Spaziergängerin

Gleiche Frage, gleiche Antwort: «Die sollen mit ihren Velos auf der Strasse fahren. Und Hunde gehören an die Leine.»

Kommt bei einem steilen Abstieg ein Mountainbike von hinten gefahren, kann es gefährlich werden. In Adelboden läuft zurzeit auf 11 Strecken ein Pilotversuch mit geteilten Wegen. Heikle Streckenabschnitte wurden entschärft, indem in engen Kurven Stufen für die Menschen und ein eigener Trail für die Bikes gebaut wurde.

Das wünscht sich die Hundehalterin

Gleiche Frage, fast gleiche Antwort: «Schnelle E-Bikes – ob Senioren oder nicht - im Wald sind gefährlich und nerven. Oft bleibt schlicht keine Zeit, um den Hund zu sichern. Und Wanderer, die sich rücksichtslos an uns vorbeidrücken, stressen mich sehr».

Hunde dürfen niemanden belästigen oder gefährden. Sie brauchen aber auch Momente, in denen sie sich frei bewegen und rennen können. Eine lange Leine kann ein Kompromiss sein.

Als Zwischenfazit festhalten

Alle lieben die Natur und möchten die Berge und den Wald am liebsten für sich alleine geniessen. Eine unlösbare Pattsituation? Ich frage also nochmals nach, was es denn konkret braucht, damit es allen gut geht.

Mountainbiker

«Es braucht gegenseitige Rücksichtnahme, Toleranz und auch einfach Freundlichkeit. Ich finde es super, dass der Kanton Bern die Bedürfnisse von uns Mountainbiker ernst nimmt und eine klare Regelung anstrebt. Graubünden und auch Adelboden zeigen, dass es geht. Mit einer guten Signalisation und teilweise auch mit baulichen Massnahmen können wir gemeinsam die Berge geniessen. Den Hund anleinen, etwas zur Seite gehen und ein freundliches Wort dafür, dass wir bremsen oder absteigen, das würde extrem zu einer guten Stimmung beitragen.»

Spaziergängerin

«Anstand und Respekt. Wenn die E-Bikes Vollgas angebraust kommen, fühle ich mich bedroht und werde wütend. Machen sich die Biker bemerkbar, bremsen ab und grüssen mich, dann ist eigentlich schon alles gut. Und ein «Danke» dafür, dass wir uns an den Wegrand quetschen, das würde ich schon auch erwarten.»

Hundehalterin

«Ich wünsche mir mehr Verständnis für das Lebewesen Hund und Freundlichkeit mir gegenüber. Wenn sich die Leute frühzeitig stimmlich bemerkbar machen, habe ich Zeit, mit meinem Hund zur Seite zu gehen. Und wenn sich jemand dafür bedankt, dass ich meinen Hund anleine, freut mich das.»

Mein Hund: Ich habe auch noch bei ihm nachgefragt, was er sich wünscht

«Ich wünsche mir mehr Raum und genügend Zeit, damit ich anderen Hunden, Menschen und Velos ausweichen kann. Ich bin gestresst, wenn ein Fahrrad oder ein rennender Mensch frontal auf mich zukommt. Wir freundlichen Hunde laufen nie schnell und frontal aufeinander zu, wir starren uns nicht an, sondern machen einen kleinen Bogen und signalisieren damit, dass wir keinen Streit wollen.»

Toleranz als Fazit

Es braucht von allen Beteiligten Toleranz, Rücksichtnahme und Freundlichkeit. Das klingt sehr einfach. Wir alle wissen, wie schwierig genau dies manchmal sein kann. Gehen wir es an.

Tipps für die Begegnungen mit Hunden

  1. Machen Sie sich frühzeitig stimmlich oder mit einer Glocke bemerkbar. Dies gibt den Menschen Zeit, ihre Hunde zu sichern.
  2. Machen Sie einen kleinen Bogen und wenden Sie Schulter und Blick ab, wenn Ihnen ein Hund frontal entgegenkommt. Sie werden sehen, wie Ihnen die Hunde mit Schnüffeln, Kopf Abwenden und Verlangsamen «antworten». * Berühren Sie nie einen fremden Hund.
  3. Verlangsamen Sie als Radfahrer das Tempo und weichen Sie wenn möglich aus.
  4. Leinen Sie Ihren Hund bei jeder Begegnung mit anderen Menschen, Hunden und Velos an und sorgen Sie für genügend Abstand.
  5. «Guten Tag», «Merci» und auch mal ein ehrliches «Exgüse», wenn es nicht geklappt hat, sind wie sonst im Leben Zauberwörter.

*Dies geht nur, wenn der Hund die Möglichkeit zum Kommunizieren hat. Ein an kurzer Leine und stramm geführter Hund kann sich nicht ausdrücken.

Über die Autorin

Nelly Botta ist Hundetrainerin und Verhaltensberaterin. Themen wie Kommandos und Befehle für Hunde interessieren sie wenig. Sie setzt sich für einen bindungs- und bedürfnisorientierten Umgang mit unseren Hunden ein. Hier geht's zu ihrer Webseite.

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